Abschalten
von Ilana

 

abschalten


Ich zucke zusammen als er den Raum betritt.
Wenn ich ihn ausschalte, dann ist es vorbei, denke ich, fahre mit den Fingern traning über die Tastatur. Der Bildschirm flimmert und meine Augen tun mir weh.
"Nein, gleich. Noch einen Moment, ja?"
Er verlässt den Raum und wieder bin ich allein. Mit mir, mit Dir. Ganz einsam.
Wenn ich ihn anlasse, dann habe ich eine Chance. Ein Netz, dass mich auffängt einen Grund , eine Berechtigung.

Ich höre wie er sich im Bad die Zähne putzt, wie er aus seiner verschwitzten Jeans steigt, sich mit seinem Deo-Stick abreibt, statt sich zu waschen.
Ich höre seine Schritte, seine feuchten Fußsohlen auf den Fliesen, wie er vom Waschbecken zur Toilette und wieder zurück tapst.

Gleich wird er wiederkommen. Wird mich wieder fragen.

Der Computer surrt monoton und fast glaube ich ihn seufzen zu hören.
Der Briefkasten auf dem Bildschirm ist noch immer leer. Kein Trost, keine Lösung.
Ein Loch im Netz.

Ich lasse ihn warten, kann sein ungeduldiges Atmen in meinem Nacken spüren, obwohl er nicht im Raum steht.

Keine Post.

"Kommst du?"

Ich nicke, schalte den Computer ab und gehe wie ferngesteuert ins Schlafzimmer.
Dann schalte ich mich ab.


Ilana Funken

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