Das Ende eines Clowns
von cholymelan

 

Das Ende eines Clowns

Einst blickte ein trauriger Clown
in den Spiegel
schüchtern, und fast vorsichtig
sah er in seine Maske
die, fast unbemerkt, weinte
und während sie weinte,
die Tränen langsam, verstohlen
das einst so reine Weiß
in ein farbloses Grau verwandelten
träumte der Clown
und in seinen Tränen
glitzerten Momente auf
in denen er vereint war
mit seinem Spiegelbild
in denen ihn die klare Reinheit
seines Spiegels auffing
sanft, behutsam
und ihn schützte
vor der lachenden Wirklichkeit
und der Clown spürte noch einmal
wie es war
mit dem Ideal die Zeit zu formen
den Staub der eigenen Vergessenheit
aus den leeren Seiten seines Tagebuches hinwegzufegen
doch mit jeder Träne
wurden sie durchsichtiger
die Fäden,welche die Illusion webten
von einer spiegelbildlichen Beständigkeit
und der Clown
fühlte sich leer und einsam,
als auch der letzte Faden
der zeitigen Erinnerung
nicht mehr standhielt
und ihn fallen ließ
tief, taumelnd, trostlos
und die Wogen der Distanz
über ihn zusammenschlugen
und innerlich ertrank er
im Meer der Hoffnungslosigkeit

Einst blickte ein trauriger Clown
in den Spiegel
und alles was er sah
war der Traum an die Erinnerung.


Tim Oliver Plotz

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