xenia
von riemsche

 

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öffentlicher raum
ungewohnte szene
zwei menschen die gebärden
leut am vorbeiflanieren
finden s faszinierend ästhetisch
ansteckend lebendig
teil unserer gesellschaft
soweit s wunschprogramm
sie lacht

konkreter befund
hochgradig an taubheit
grenzende schwerhörigkeit
demonstriert in diagnostisch
wortwahl bereits den definitiven
ansatz der im grunde stört
haltung in frage stellt_ defizit
oder wertfrei merkmal einer identität

immer lauter werdend welt die sich norm
gerecht an minderheiten orientieren möcht
in folge rahmenbedingungen setzt
macht sich damit an immer mehr
minderheiten zu schaffen
verhindert auf d prinzipielle die inklusion
denn trotz lautsprache und lippenlesen
geht so einiges an information verloren
auch weil jed gesprächsverlauf zusätzlich
mit großer anstrengung verbunden ist

die verwendung von _taubstumm_ gilt
inzwischen als politisch inkorrekt
und bezeichnend no.go
gehörlos oder taub
kommt dem befinden in wesentlichem näher
stumm ist wer nicht sprechen kann
oder wie man auf der gallaudet.university
im allgemeinen zu sagen pflegt
gehörlose können alles
außer hören
sind ergo taub_ nicht stumm

diE gebärdensprache gibt s nicht
jedes land hat ihre eigene
sie folgt einer eigenen grammatik struktur
hat nichts mit pantomime zu tun
kreiert_ wie s sprache so an sich hat
bewusstsein idendität kultur
ist visuell_gestisch
wer ruft klopft dir auf d schulter
kennt da zur überraschung so mancher
keinerlei berührungsängste
gehörlose sind viel direkter

laut und leise_ kategorisch relevante?
nu wie man s von fall zu fall wahrnimmt
laut ist nach meinem empfinden jemand
der aktiv für etwas kämpft
werd selbst laut wenn ich das gefühl habe
s wird diskriminierend_ später
wenn ich mein c.i. entferne_ stille
manche glauben das sei schlimm
für mich ist es das nicht
beim schlafen sogar von vorteil

s chochlear.implantat mag
für die einen unterstützung segen sein
fordert aber_ mal abgesehen
von der belastung des operativen eingriffs
und berücksichtigt erwartungshaltung
auch eine ständige anpassung derer
die sich über gebärden unvergleichbar
differenzierter ausdrücken könnten
ist somit nicht für jeden eine gute lösung

viele gehörlose erfahren ihre taubheit
zudem nicht als mangel sondern
als eigene form von kultur leben sprache
ästhetik körperlichkeit und intimität
geringere trennung von körper und geist
während sich wahrnehmung im alltag
vornehmlich darauf beschränkt sprache
mit begrenzt beschaffenheit von zunge
und kehlkopf in verbindung zu bringen

noch fehlt s gegenkonzept zu defizitär
veranlagt blick winkel augenmaß
an vielfalt die menschlich unterstreicht
was uns jene die nicht hören
lehren spüren lassen könnten
s plus an facetten visueller räumlicher
kinetischer denkstrukturen
deal.gain_ ne form der sensibilisierung
und aufklärung macht spass_ könnt frau
sich auch beruflich sehr gut vorstellen

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