india_13
von riemsche

 

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Die Verwendung leuchtender Farben im alltäglichen Leben abseits von Werbeflächen lässt schon mal die Kitsch-Alarmglocken schrillen. Was aber an schier unmöglichen Farbkombinationen möglich ist, wenn Licht und Umfeld stimmen, begeistert und erstaunt.

Bunt bemalte Holztüren, raffiniert Verschnörkeltes, Bilderrausch wohin man schaut. Eingangsbereich, Fensterläden, Räume bis an die Decke voller Regenbogenstapel aus handgeschöpftem Papier. Ballen prachtvoll verspiegelter Patchwork-Teppiche, dieselbe hypnotische Wirkung wie in OldSchoolPsychedelic strahlende Hippie-und Nachtmärkte, unter Zuhilfenahme einer Lupe auf Marmortäfelchen gepinselte erotische Miniaturmalereien oder eine mit dem Licht spielende Mondsteinkette sind es wert, den störenden UV-Filter von der Nase zu nehmen und ganz genau hinzugucken. Frauen tragen feinstofflich Farbfilm, kunstvoll um den Körper geschlungene Saris aus 1001erNacht, ihre natürliche Anmut, der angeborene Catwalk. Das üppige Farbrondell inmitte von Gewürz-Obst-und Blumenläden, bis auf den letzten Quadratzentimeter mit bunten Steinchen handgepixelte Tempelanlagen, dicke Ockersteine, die in allen Farben bluten, fette Pigmente, so ururalt, dass ich sie förmlich spüren, schmecken, riechen kann: pure Energie.

Der positive Einfluß von Farbe auf Life & Living ist _ganz im Gegensatz zu kunterbunten Souvenirs, die es zuhause nur bis zum Briefkasten und auf Ethnoparties schaffen_ in Indien überall präsent. Für nach oh-felix-Austria heimkehrende Fernreisende wie mich schlagen lange danach selbst noch die knalligen Fingernägel heimischer Supermarktkassiererinnen Brücken nach Goa.
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