Katakomben
von gwennifer

 

Eine Kerze erhellte das kleine Zimmer . Der Mond schien mit fahlem Licht durch das kleine Fenstern und zauberte ein Muster aus verwommenen Flecken auf den blank gescheuerten Diehlenboden. Es war die Stunde der Nacht, in der alles Leben zu verstummen scheint. Kein Windhauch drang durch die offenen Fensterflügel. Kein Geräusch durchbrach die herrschende Stille. An einem kleinen Schreibpult, das mit Büchern , Schriftrollen und Pergamenten übersäht war, hockte die schmale Gestalt eines Mädchens. Sie hatte das Gesicht in die Hände vergraben.
Was um alles in der Welt war nur geschehen? Ihr gequälter Blick ging zum Mond hinauf, als suche sie dort Antwort auf die Fragen zu finden, die sie seid den Ereignissen des späten Abends beschäftigten. Ihre Gedanken glitten zurück, als das Geschehen noch einmal an ihr vorüberzog.

Das junge Mädchen war auf dem Weg von der Bibliothek ins Sanktum der Magier gewesen, um noch ein paar Stunden weiter zu arbeiten, als sie den Ruf des Herren ereilte, in dessem Haus sie nun seid einiger Zeit Unterschlupf gefunden hatte. Er schien in arger Bedrängnis zu sein. Eleona spürte, das es schlecht um ihn stand. Die junge Frau eilte mit raschen Schritten durch den Park und versuchte , sich zu orientieren. Was war nur geschehen? Er war in Gefahr, das spürte sie deutlich.
Als sie sich dem seltsamen Gasthaus näherte , stockte ihr Schritt nur kurz. Noch nie hatte Eleona dieses Haus betreten, doch was sie darüber gehört hatte,ließ ihr junges Herz angstvoll schlagen.
Die junge Magierin wollte dort nicht hinein, doch als sie sich dem Gebäude näherte, stellten sich ihre Nackenhaare auf. Eisige Kälte kroch ihr den Rücken hinauf.
Irgendwo da unten musste er sein...dem Tod näher als dem Leben. Wie von alleine setzen sich ihre Füße in Bewegung, stolperten durch den halbdunklen verrauchten Gastraum, in dem sich finstere Gestalten in schmudlige Ecken drückten . Das blonde Mädchen sah sich nicht um, sie stürzte an der Theke vorbei , dem Kellergewölbe entgegen. Ihr Atem ging hastig. Nur verschwommen nahm sie einige in dunkle Roben gekleidete Frauen und Männer war, die den Raum unterhalb des Schankraums bevölkerten. Seltsame magische Artefakte standen auf den Tischen. Es roch nach Dingen, über die sie lieber nicht nachdenken wollte. Der ganze Raum war voller Schatten. Es stank nach Furcht und Angst. Eleona hielt den Atem an, durchquerte auch diesen Raum und tastete sich weiter in die Tiefen. Ein Gang aus rohem Mauerwerk führte weiter hinab. Spinnweben hingen von den Decken hinunter. AB und zu huschte etwas kleines dunkles über den staubigen schmutzigen Boden. Furchtsam hielt sie den Blick zu Boden gerichtet, tastete sich weiter. Nach einer Weile stockte ihr Schritt. Sie hörte ein schmerzvolles Keuchen.. das Knurren eines Tieres. Für ein paar flüchtige Sekunden lauschte sie aufmerksam, dann beschleunigte sie ihre Schritte und stolperte weiter in die Richtung , aus der die unterdrückten Geräusche kamen. Noch einmal ein paar Stufen abwärts.. sie flog fast in einen weiteren Raum.. von dem sich weitere halbdunkle Gänge abzweigten. Als sie um die Ecke bog, erstarrte sie für einen Augenblick. Auf dem Boden lag der Körper eines Mannes. Er war mit Wunden übersäht, schien kaum noch Luft zu bekommen. Blut hatte den Boden mit einem schaurigen Muster überzogen. Sein Atem ging unregelmäßig, schwer und stoßweise. Über ihm stand eine große weiße Katze.. eine Frostsäblerin und hatte die Zähne in seine Kehle versenkt. Ihre Pranken drückten ihn fest an den Boden. Doch auch sie schien nicht mehr unverletzt zu sein. Anscheinend hatten die beiden sich einen harten Kampf geliefert, den das bösartige mordlustige Raubtier zu seinen Gunsten hatte wenden können.
Ohne nachzudenken trat das Mädchen mit ein paar schnellen Schritten auf die Katze zu und fixierte sie mit ihren blassblauen Augen. „ Ich glaube nicht, das du das tun willst.. du solltest verschwinden...“ sprach sie mit sehr leiser Stimme. Kalt wurde ihr.. die Kälte , die ihr den Rücken hinaufgestiegen war, schien allmählich jede Faser ihres Körpers zu durchdringen. Feiner Nebel umspielte die schmalen Mädchenhände. Ein Strom aus kleinen Eiskristallen suchte sich den Weg durch ihre Adern. Das Gesicht des Mädchens war ernst, sehr ernst. Abermals warnte sie die Katze..
Als die Stimme Eleonas durch den Raum brach, zuckte der Kopf der Katze herum und wandte sich ihr zu. Unabsichtlich gab sie dabei den Mann frei.“ Da ist ja die Vorspeise ..“ knurrte das Tier und fauchte sie an. Hustend keuchte der Feydaween , rang noch einmal nach Atem. Allmählich wurde er ruhiger, atmete regelmäßiger. Sie bemerkte, das sich die Wunden an seinem Hals langsam schloßen.
„ Sieh .. mich .. an. Du blutrünstiges Vieh..“ würgte er mühsam hervor. „ Du ...du.. denkst ich bin ein einfaches Wesen.. doch du vergisst etwas wichtiges. Töte mich ruhig.. Es ist mir egal den eines gebe ich dir heute mit auf dem Weg...Ich werde nicht lange fort bleiben....“

Der dunkle Mann sah Eleona an:“ Eleona.. die Katze scheint mir etwas.. zu *keuch* agressiv um mit ihr.. verhandeln zu können..“ keuchte er schmerzvoll.

Die Säblerin , anscheinend hin und her gerissen zwischen ihrem bereits sicher geglaubtem Opfer und der anscheinend neuen leichten Beute, drehte sich blitzschnell um und biß ihm abermals fest in die Kehle. Gequält stöhnte er auf. Der Körper des riesigen Tieres flog herum. Die Pfoten verloren den Kontakt zum Boden, als die Bestie auf das junge blonde Mädchen los stürzte. Abwehrend hob diese die Hand zum Schutz empor. Aus ihren Fingern brach ein eisiger Blitz hervor, als der wuchtige Aufprall des massigen Körpers die schmale Mädchengestalt nach hinten schleuderte. Doch geschickt wich die Katze dem aus, setze erneut zum Sprung an.
Hinter ihr zuckte die Gestalt des Mannes kaum merklich.. er schien sich auf irgendetwas zu konzentrieren, atmete tief ein und aus. Sein Blick verfinsterte sich, als er wieder in Richtung der beiden mit einander ringenden Körper sah. Seine Hände griffen nach seinen Dolchen, sehr langsam richtete er sich mühsam auf.
Eleona hatte unterdessen ihre Hände in das Fell der Säblerin vergraben. Der eisige Nebel, der sie umgab, schien sich zu verdichten .
„Lass sie los du Biest..“ erklang seine dunkle Stimme, als er auf die beiden zustolperte . Als er sich näherte ,. schoß die Bestie herum. Ein Sturm aus feinen Splittern löste sich von den Händen der Magierin , schien sich fest im Fell des Tieres zu verfangen: Nadelspitz bohrten sich die Eisplitter in das weiße Haar.
Kampfgeräusche erfüllten die dunkle Gruft. Im Schein der Fackeln wogten die Schatten in einander verschlungener Körper in einem bizarrem Reigen. Hasserfülltes Knurren , keuchender schwerer Atem des Mannes .. das Knistern der feinen Eiskristalle hallten unterdrückt von den Wänden wieder . Die Luft schien zu erstarren. Die Kälte, die sich von der Magierin im Raum ausbreitete, ließ den heißen Atem der Kämpfenden in kleinen Wolken emporsteigen.
Leise flüsterte Eleona.“Du solltest gehen.. solange du es noch kannst..“ Mühsam richtete sich das Mädchen auf..atmete tief durch, als sie spürte, wie das Blut in ihren Adern zu pulsieren begann. Plötzlich jaulte die Säblerin auf. Die Dolche des Mannes, von seinem Blut getränkt schienen ihr Ziel gefunden zu haben. Der schwere Körper sackte vor ihm zusammen. Doch nur kurz währte die darauf folgende Stille. Als sich die Katze wieder aufrichtete, ruckte der Körper herum, fixierte Eleona und schoß mit einem wütendem Fauchen auf sie los. Eleona blieb stehen.. nur der Nebel um sie herum wurde dichter.. schien sich gleich einem schützenden Schirm um den schmalen Mädchenkörper zu legen. Eisig legten sich schmale Hände auf die Augen des Tieres. Wie ein Pfeil flog der Körper Garetts hinterher.. versenkte die Waffen ein weiteres Mal im dichten Fell, das inzwischen von Blutrinnsalen überzogen war. Nicht nur der Mann und das Mädchen waren von zahlreichen Kratzern übersäht. Auch die mordlustige Bestie spürte inzwischen die Folgen des heftigen Kampfes. Gelähmt durch die frostigen Strahlen, die sich von den Händen der jungen Frau gelöst hatten, konnte sie nicht mehr ausweichen und brach mit schmerzerfülltem Jaulen vor ihr zusammen. Scharrend kratzen die Krallen über den Boden, als sich der Körper des mächtigen Tieres in bloßer Agonie auf dem Steinboden der Katakomben wand.
„Eleona.. tretet ein Stück zurück.“ sprach er ruhig. Ein paar hastige Schritten brachten sie aus der Reichweite des Tieres an seine Seite. Zitternd blieb das Mädchen neben ihm stehen.
Mit leiser Stimme sprach er nun auf die Säblerin ein, erklärte ihr, was er getan hatte und verkündete ihre Strafe. Immer wieder suchte diese auf die Beine zu kommen, stolperte blindlings durch den Raum. Doch konnten ihre Beine die Last des schweren Körpers nicht tragen. Immer wieder brach sie zusammen , jaulte in hohen durchdringenden Tönen und fuhr mit den Krallen über die Frostsplitter, die den Boden bedeckten. Nur sehr langsam begann die Kälte aus dem Raum zu weichen. Noch war die junge Magierin zu erregt, zu entsetzt üder das, was da aus ihr rausgebrochen war. Er führte sie hinaus aus den schmutzigen Katakomben. Vor dem Gasthof blieben die beiden eine Weile stehen. Tief atmete sie die kühle , reine Nachtluft ein. „ Verzeiht.. das ich so spät kam..“ flüsterte sie beschämt. „Ich war nicht sehr nützlich..“ Doch er legte ihr seine große warme Hand auf die Schulter und dankte ihr mit leiser Stimme.
Eleona war dankbar dafür, das er sie von diesem Ort weg führte. Er ging mit ihr durch die stillen nächtlichen Straßen bis zum Hafen. Sie traute sich kaum, den Blick zu heben. Eine verlegene Röte überzog das schmale Gesicht des Mädchens. Nach einer kurzen Unterhaltung zog er sich zurück und auch Eleona machte sich auf den Heimweg. Doch es sollten noch Stunden vergehen, bevor das verwirrte Mädchen dort auch ankam.

Der Mond war hinter den Wolken verschwunden. Die Kerze war fast herunter gebrannt und noch immer hockte Eleona an dem kleinen Tischchen und versuchte ihrer Gedanken Herr zu werden. Was hatte sie getan? Sie hatte ihre Kräfte nie haben wollen, ja sich selbst sogar dafür gehasst und heute hatte sie sie im Kampf eingesetzt ohne das ihr überhaupt bewusst geworden war, was sie da tat.
In ihr stritten sich Angst und Schuldgefühle mit einander und doch war sie dankbar dafür, das sie ihm hatte wenigstens ein bisschen helfen können. Alszu nützlich war sie wohl nicht gewesen, aber immerhin hatte es ihm Zeit verschafft.
Die müden Augen sahen auf ihre Hände, die auf der Tischplatte inmitten ihrer Pergamente ruhten.
Heute hatte sie einen Sturm von Eis und Schnee entfacht.. doch was war, wenn es wieder über sie hereinbrach, wenn sie es nicht kontrollieren konnte.
War es ein Fluch.. oder war es ein Segen...?
Der blonde Schopf sank auf die Tischplatte nieder. Die Lider schlossen sich über den Augen, als das Mädchen in einen unruhigen Schlaf verfiel. Leise murmelte sie vor sich hin. Immer wieder erzitterten die schmalen Schultern und eine einzele Träne rann ihr aus dem Augenwinkel über die Wange.

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