Gerion und der Weg ins Niemandsland
von Tommy James (tommyj)

 

Die Geschichte

An einem kalten Dezemberabend saß Familie Edwards in ihrem Haus in Izlude. Es war weit und breit das einzige, auf einem kleinen Hügel gelegenen Haus; bis zum nächsten Dorf waren es einige Meilen. Es war früh am Abend, als es anfing zu schneien. Dunkle Wolken bedeckten den Himmel, der Schnee fiel immer dichter und hüllte die Landschaft in wunderschönes Weiß. An diesem besagten Abend, war die ganze Familie Zuhause: der Großvater saß wie immer gemütlich im großen Ledersessel und rauchte seine Pfeife und Herr Edwards lag auf dem Sofa und las die Zeitung der vergangenen Tage. Seine Frau strickte versonnen am Esstisch an einer Wolldecke, während Marc und Tom, ihre beiden Söhne, aus dem Fenster schauten und die vom Himmel fallenden Flocken beobachteten. Sie waren sehr aufgeregt, denn am nächsten Morgen konnten sie mit ihren Schlitten zum Rodeln gehen.

”Kinder, kommt mal zu mir!” rief der Großvater.
Voller Neugier liefen Marc und Tom zu ihm und setzten sich auf den warmen Boden, neben dem leise vor sich hin knisternden Kamin. Der alte Herr sah die beiden Buben liebevoll an und begann: “Ich denke, ihr seid inzwischen alt genug, um von meiner Geschichte zu hören.”
“Vater”, rief Herr Edwards dazwischen und sah seinen Vater recht zornig an. “Erzähl den Kindern nicht wieder eine von deinen skurrilen Geschichten! Du weißt doch, dass sie dir alles glauben. Erst letzte Woche suchten sie den Schatz von Izlude und wir beide wissen ganz genau, dass es einen solchen Schatz nie gegeben hat.”
Großvater Edwards schaute seinen Sohn mit einem düsteren Blick an, wandte sich den Kindern zu und flüsterte: “Hört nicht auf euren Vater, den Schatz gibt es wirklich. Heute möchte ich euch jedoch von Gerion - dem Helden von Izlude - erzählen.”
Die Kinder waren sofort begeistert, denn diese Geschichte, von der sie bisher nur Bruchteile zu hören bekamen, wollten sie schon immer hö¬ren.

“Nun”, mit angespanntem Gesichtsausdruck begann der Großvater mit seiner Erzählung: ”Ihr müsst mir versprechen, dass diese Geschichte immer unser Geheim¬nis bleiben wird.”
Sowohl Marc als auch Tom blickten den alten Mann voller Spannung an und nickten zustimmend.
„Vor langer, langer Zeit gab es hier in der Gegend einen Jungen, dem ihr charakterlich sehr ähnlich seid, sogar sein Aus¬sehen spiegelte sich in eurem wider. Er hatte die Haare genau, wie Du Tom, seidiges, lan¬ges, braunes Haar und seine Augen waren, wie Deine Marc, braun wie Bernstein. Nun, vielleicht ist in jedem von euch ein Teil von Gerion wieder geboren. Oftmals, wenn ich nach draußen schaue, im Wald oder in der Stadt, muss ich an diesen Jungen denken - immer erinnert mich etwas an Gerion, denn so hieß der Junge – Gerion.”

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